Weniger Füchse, dafür mehr Nachwuchs? Eine dänische Studie und Beiträge in den sozialen Medien haben eine alte Streitfrage neu belebt. Lassen sich Fuchsbestände durch die Jagd dauerhaft verringern, oder gleichen die Tiere Verluste durch eine höhere Fortpflanzungsleistung wieder aus? Tierschutzorganisationen sehen darin ein Argument gegen die Fuchsjagd. Jagdverbände verweisen dagegen auf den Schutz von Kiebitz, Rebhuhn, Feldhase und anderen Wildtieren, die unter hohem Prädationsdruck stehen können.
Die wissenschaftliche Datenlage ist deutlich umfangreicher, als es die öffentliche Diskussion vermuten lässt. Gerade aus Deutschland liegen Untersuchungen vor, die sowohl den Einfluss des Rotfuchses auf gefährdete Arten als auch die tatsächliche Wirksamkeit seiner Bejagung behandeln. Hinzu kommen langjährige Artenschutzprojekte, bei denen Jäger, Naturschützer und Landwirte zusammenarbeiten. Ihre Ergebnisse sind keineswegs einheitlich.
Wer beurteilen möchte, ob Fuchsjagd ökologisch sinnvoll ist, muss deshalb drei Fragen auseinanderhalten. Wie reguliert sich die Fuchspopulation selbst? Welchen Einfluss haben Füchse auf andere Wildtiere? Und verbessert ihre Bejagung tatsächlich die Situation der Arten, denen sie helfen soll?
Dänische Forschung – Nach einem Bestandsrückgang wurden deutlich mehr Jungfüchse geboren
Den Ausgangspunkt der neuerlichen Diskussion bildet eine 2018 veröffentlichte Untersuchung der Wissenschaftlerin Sussie Pagh und ihrer Kollegen. Das Forschungsteam analysierte die Fortpflanzungsleistung von insgesamt 280 weiblichen Rotfüchsen aus Dänemark. Hintergrund war ein Staupe-Ausbruch im Jahr 2012, der mit einem deutlichen Rückgang der Fuchspopulation in Verbindung gebracht wurde.
Die Forschenden verglichen Tiere aus den Erhebungszeiträumen 1997 bis 2000 und 2012 bis 2016. Dabei ergaben sich auffällige Unterschiede bei den durchschnittlichen Wurfgrößen:
- 1997 bis 1999: durchschnittlich 5,6 Jungtiere je Wurf.
- 2012 bis 2013: durchschnittlich 5,7 Jungtiere je Wurf.
- 2015 bis 2016: durchschnittlich 8,2 Jungtiere je Wurf.
Nach dem krankheitsbedingten Populationsrückgang lag die durchschnittliche Wurfgröße somit erheblich höher als in den vorherigen Vergleichszeiträumen. Die Wurfgrößen wurden anhand von Plazentanarben in der Gebärmutter ermittelt, die Rückschlüsse auf frühere Geburten erlauben. Die Methode erfasst allerdings nicht, wie viele Jungfüchse anschließend tatsächlich überlebten.
Zusätzlich beobachteten die Wissenschaftler, dass sich jüngere Fähen stärker an der Fortpflanzung beteiligten und unfruchtbare beziehungsweise nicht reproduzierende Weibchen seltener vorkamen. Das Forschungsteam wertete diese Veränderungen als Reaktion auf die geringere Populationsdichte.
Dahinter steht ein bekannter populationsbiologischer Mechanismus. Bei geringerer Konkurrenz um Nahrung, Lebensraum und Fortpflanzungsmöglichkeiten kann die Reproduktionsleistung der verbleibenden Tiere steigen. In der Wildtierbiologie wird dies als dichteabhängige beziehungsweise kompensatorische Fortpflanzungsregulation beschrieben.
Die Autoren folgerten, dass die in Dänemark übliche Bejagung unter den dort untersuchten Bedingungen keinen dauerhaften Rückgang der Fuchspopulation bewirke. Diese Schlussfolgerung geht allerdings über den unmittelbar beobachteten Zusammenhang zwischen Populationsrückgang und Fortpflanzungsleistung hinaus.
Die dänische Studie untersuchte die Folgen eines Staupe-Ausbruchs und nicht die Auswirkungen eines kontrollierten Jagdexperiments. Sie bestätigt die Fähigkeit von Rotfüchsen, auf Bestandsverluste mit erhöhter Reproduktion zu reagieren. Dass jede Form der Fuchsbejagung wirkungslos sein muss, lässt sich daraus nicht ableiten.
Warum sich Fuchspopulationen nach Verlusten wieder erholen können
Die Zahl der Jungtiere ist nur ein Faktor, der die Entwicklung einer Population bestimmt. Ebenso wichtig sind die Überlebensraten, Krankheiten, die Verfügbarkeit geeigneter Lebensräume sowie die Zu- und Abwanderung von Tieren.
Rotfüchse sind ausgesprochen anpassungsfähig. Sie besiedeln Wälder, Agrarlandschaften, Siedlungsränder und Städte. Ihre Nahrung reicht von Mäusen, Regenwürmern und Insekten über Früchte bis zu Aas und anderen Wirbeltieren. Das ermöglicht ihnen, auch unter unterschiedlichen Umweltbedingungen zu überleben.
Hinzu kommt ihre Mobilität. Junge Füchse verlassen häufig das elterliche Revier und suchen nach geeigneten Lebensräumen. Freigewordene Territorien können deshalb durch zuwandernde Tiere erneut besetzt werden. Der Oberösterreichische Landesjagdverband beschreibt diese Wanderbewegungen in einem Fachbeitrag zur Raumnutzung des Rotfuchses und weist ausdrücklich darauf hin, dass eine erfolgreiche Fuchsbejagung über die Grenzen einzelner Jagdreviere hinaus betrachtet werden muss.
Damit sind zwei unterschiedliche Prozesse zu berücksichtigen. Durch eine erhöhte Fortpflanzungsleistung können mehr Jungfüchse geboren werden. Unabhängig davon können zuwandernde Tiere entstandene Lücken im Bestand auffüllen. Beides kann dazu führen, dass eine zunächst erreichte Verringerung der Fuchsdichte nur vorübergehend besteht.
Eine vollständige Kompensation ist aber kein Naturgesetz. Wie stark eine Population auf Verluste reagiert, hängt von den konkreten Lebensraumbedingungen, der Intensität und räumlichen Ausdehnung der Entnahmen sowie weiteren Sterblichkeitsfaktoren ab.
Universität Freiburg – Was bewirkt die Fuchsbejagung tatsächlich?
Besonders aufschlussreich sind zwei 2019 veröffentlichte wissenschaftliche Untersuchungen aus Baden-Württemberg. Ein Forschungsteam um Jim-Lino Kämmerle von der Universität Freiburg beschäftigte sich im Südschwarzwald mit den Auswirkungen örtlich begrenzter Fuchsbejagung.
In der ersten Untersuchung, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Conservation Science and Practice, verglichen die Wissenschaftler Daten zur Fuchshäufigkeit mit der Intensität der Bejagung in einer durch Wälder und andere Landschaftselemente gegliederten Region.
Das Ergebnis war differenziert. Nach der winterlichen Bejagung war die örtliche Fuchshäufigkeit im Frühjahr tatsächlich geringer. Der Rückgang fiel jedoch vergleichsweise klein aus. Spätestens im Herbst waren die Verluste wieder ausgeglichen.
Für den Artenschutz ist das relevant. Viele bodenbrütende Vogelarten benötigen gerade während der Brutzeit und Jungenaufzucht einen möglichst geringen Prädationsdruck. Wenn der Effekt der Jagd nur kurz anhält oder räumlich ungleichmäßig ausfällt, kann die angestrebte Schutzwirkung eingeschränkt sein.
In einer zweiten Studie untersuchten Kämmerle, Sarah Niekrenz und Ilse Storch das Prädationsrisiko an 273 kameraüberwachten künstlichen Nestern. Die Versuchsflächen lagen in Jagdrevieren mit und ohne gezielte Fuchsbejagung.
Ein nachweisbarer Rückgang des untersuchten Nestprädationsrisikos durch die örtlich begrenzte Bejagung ließ sich nicht feststellen. Stattdessen hing das Risiko wesentlich mit der Fuchshäufigkeit in der umgebenden Landschaft zusammen.
Die Autoren sahen deshalb keine ausreichende Grundlage, eine unkoordinierte, revierweise Fuchsbejagung in der untersuchten Form als wirksame Artenschutzmaßnahme zu fördern.
Die Ergebnisse sind allerdings nicht mit dem Nachweis gleichzusetzen, dass jede Fuchsbejagung wirkungslos wäre. Künstliche Nester bilden das natürliche Verhalten brütender Vögel nur eingeschränkt ab. Außerdem wurde eine bestimmte Form der örtlich begrenzten Jagd untersucht, nicht ein großflächig abgestimmtes Prädatorenmanagement.
Die Freiburger Arbeiten machen damit zwei wesentliche Zusammenhänge deutlich. Fuchsbejagung kann die örtliche Häufigkeit der Tiere zumindest zeitweise reduzieren. Eine solche Verringerung führt aber nicht zwangsläufig zu einem nachweisbar niedrigeren Prädationsrisiko während der gesamten Brutperiode.
Deutsche Kiebitzforschung – Der Rotfuchs ist ein bedeutender Nesträuber
Die bisherigen Untersuchungen beantworten noch nicht die Frage, welche Bedeutung der Fuchs für gefährdete Wildtierarten tatsächlich hat. Dazu liefern deutsche Artenschutzprojekte wesentlich konkretere Erkenntnisse.
Im bundesweiten Projekt Der Sympathieträger Kiebitz als Botschafter der Agrarlandschaft untersuchten Wissenschaftler und Naturschutzorganisationen unter anderem, welche Beutegreifer für Verluste an Kiebitzgelegen verantwortlich sind.
In den Jahren 2016 und 2017 wurden dazu in mehreren Regionen Deutschlands rund 100 Kiebitzgelege mit Wildkameras überwacht. Für die Auswertung wurden ausschließlich Ereignisse berücksichtigt, bei denen die Kamerabilder eine eindeutige Zuordnung ermöglichten.
Von insgesamt 39 dokumentierten Prädationsereignissen entfielen 31 auf den Rotfuchs, also rund 79 Prozent. Weitere Nestverluste wurden unter anderem durch Marderhunde, Waschbären, Rabenkrähen und Greifvögel verursacht.
Damit war der Fuchs in dieser Untersuchung mit deutlichem Abstand der am häufigsten nachgewiesene Nesträuber. Die Zahlen beziehen sich allerdings ausschließlich auf die 39 eindeutig dokumentierten Prädationen und nicht auf sämtliche Kiebitzgelege in Deutschland.
Die Ergebnisse sind ein belastbarer wissenschaftlicher Beleg dafür, dass Rotfüchse in bestimmten Landschaften erheblich zum Verlust von Kiebitzgelegen beitragen können. Sie zeigen zugleich, warum der Einfluss anderer Beutegreifer nicht ausgeblendet werden darf.
Aus dem Nachweis, dass ein Fuchs ein Nest erbeutet, folgt jedoch noch nicht automatisch, dass dessen Abschuss die Bestandsentwicklung des Kiebitzes verbessert. Dazu muss nachgewiesen werden, dass durch eine Maßnahme mehr Gelege erfolgreich schlüpfen, mehr Jungvögel flügge werden und sich der Bestand langfristig stabilisiert.
Fuchs, Feldhase und Rebhuhn – Was 41 Jahre Jagdstatistik zeigen
Auch beim Niederwild wird dem Rotfuchs häufig ein erheblicher Einfluss auf die Bestandsentwicklung zugeschrieben. Eine umfangreiche deutsche Untersuchung von Felix Knauer, Helmut Küchenhoff und Stefan Pilz aus dem Jahr 2010 beschäftigte sich mit diesem Zusammenhang.
Die Wissenschaftler analysierten Jagdstrecken aus acht westdeutschen Bundesländern für den Zeitraum von 1958 bis 1998. Untersucht wurden statistische Beziehungen zwischen Rotfuchs, Feldhase, Rebhuhn und Wildkaninchen. Zusätzlich berücksichtigten die Modelle unter anderem Wetterverhältnisse und langfristige Bestandstrends.
Beim Feldhasen zeigte sich ein negativer statistischer Zusammenhang mit dem Fuchsbestand. Für Rebhuhn und Wildkaninchen waren die Ergebnisse dagegen stärker vom jeweils verwendeten statistischen Modell abhängig.
Ein wichtiger Punkt ist die Einordnung der Autoren. Der langfristige Rückgang von Feldhase und Rebhuhn ließ sich nicht allein durch die Entwicklung des Fuchsbestandes erklären. Vielmehr deuteten die Daten darauf hin, dass Veränderungen in der landwirtschaftlichen Nutzung eine wesentlich größere Rolle spielten.
Die Forschenden erwarteten deshalb selbst bei einer deutlichen Verringerung des Fuchsbestandes keine entsprechend große Erholung der Niederwildbestände, solange die übergeordneten Ursachen ihres Rückgangs bestehen bleiben.
Diese Untersuchung widerlegt den Einfluss des Fuchses nicht. Sie zeigt aber, dass Prädation und Lebensraumverlust gleichzeitig auf eine Population wirken können und dass der langfristige Rückgang gefährdeter Arten nicht auf einen einzelnen Einflussfaktor reduziert werden darf.
Zu berücksichtigen ist außerdem die Datengrundlage. Jagdstrecken sind keine unmittelbare Zählung lebender Wildtiere. Sie werden auch von Jagdaufwand, rechtlichen Rahmenbedingungen und Meldepraxis beeinflusst. Statistische Zusammenhänge allein belegen deshalb noch keine eindeutige Ursache-Wirkungs-Beziehung.
Die jagdliche Perspektive – Schutz während der Brut- und Setzzeit
Der Deutsche Jagdverband betrachtet die Bejagung des Rotfuchses als möglichen Bestandteil des Schutzes bedrohter Arten. In seinem Frage-und-Antwort-Papier zur Fuchsjagd verweist der Verband ausdrücklich darauf, dass intensive Landnutzung, Zerschneidung von Lebensräumen und der Verlust geeigneter Rückzugsflächen die Bestände vieler Arten schwächen.
Aus Sicht des Verbandes kann gerade unter solchen Bedingungen zusätzlicher Prädationsdruck erhebliche Auswirkungen haben. Neben Lebensraumverbesserungen wird deshalb eine gezielte Bejagung von Füchsen und anderen Raubsäugern als unterstützende Maßnahme befürwortet.
Ein Punkt dieser Argumentation wird in der öffentlichen Diskussion häufig übersehen. Beim jagdlichen Prädatorenmanagement muss das Ziel nicht zwangsläufig eine dauerhaft geringe Fuchspopulation im gesamten Land sein.
Für den Schutz einer gefährdeten Bodenbrüterpopulation kann bereits eine zeitlich begrenzte Verringerung des Prädationsdrucks von Bedeutung sein. Wenn beispielsweise während der Brutzeit weniger Füchse in einem bestimmten Gebiet nach Nahrung suchen, könnten mehr Gelege und Jungvögel überleben, auch dann, wenn sich die örtliche Fuchspopulation später wieder erholt.
Diese Argumentation ist populationsbiologisch nachvollziehbar. Sie stellt aber zunächst eine überprüfbare Wirkungshypothese dar und keinen pauschalen Nachweis für den Erfolg der Jagd.
Für eine belastbare Rechtfertigung müssen deshalb die örtliche Fuchsdichte, die tatsächlichen Ursachen der Verluste und die Fortpflanzungsergebnisse der zu schützenden Arten berücksichtigt werden. Die reine Anzahl erlegter Füchse reicht zur Erfolgskontrolle nicht aus.
Bremen – Ein Jagdprojekt mit positiven Hinweisen für den Wiesenvogelschutz
Ein konkretes Beispiel für die praktische Zusammenarbeit von Jagd und Naturschutz findet sich im Bremer Blockland.
Dort begann die Landesjägerschaft Bremen 2014 mit dem Aufbau eines gezielten Prädatorenmanagements. Zum Einsatz kamen unter anderem Fangjagdsysteme, Kunstbaue und weitere Maßnahmen zur örtlichen Verringerung des Bestandes bestimmter Beutegreifer. Parallel dazu wurden Schutzmaßnahmen für Wiesenvögel durchgeführt.
Die Landesjägerschaft veröffentlichte Projektberichte und verwies dabei auch auf Daten aus dem Gelege- und Kükenschutzprogramm des BUND Bremen. Für die Jahre 2014 bis 2016 wurden folgende durchschnittliche Gelegeverluste durch Prädation ausgewiesen:
- Bremer Blockland mit Prädatorenmanagement: 33 Prozent.
- Niederviehland ohne entsprechendes Prädatorenmanagement: 45 Prozent.
- Oberneuland ohne entsprechendes Prädatorenmanagement: 66 Prozent.
Die Unterschiede sind erheblich. Die Landesjägerschaft sieht darin einen Hinweis auf den Erfolg ihres jagdlichen Managements und berichtet auch über positive Entwicklungen bei verschiedenen geschützten Wiesenvogelarten.
Allerdings handelt es sich bei den angegebenen Prozentwerten um Mittelwerte aus drei Untersuchungsjahren. Die Gebiete unterschieden sich in ihren natürlichen Voraussetzungen und möglicherweise in weiteren Einflussfaktoren. Zudem wurden im Blockland nicht ausschließlich Füchse bejagt.
Damit lässt sich aus dem Vergleich kein eindeutiger kausaler Effekt allein der Fuchsbejagung ableiten. Die Ergebnisse sprechen jedoch dafür, dass örtlich abgestimmtes Prädatorenmanagement unter geeigneten Bedingungen ein relevanter Bestandteil erfolgreicher Schutzkonzepte sein kann.
Das Bremer Projekt verdeutlicht zudem einen praktischen Unterschied zur gewöhnlichen Revierjagd. Hier wurden Maßnahmen ausdrücklich auf ein Schutzgebiet und dessen Zielarten ausgerichtet. Die Kontrolle der Prädatoren war Teil eines längerfristigen Managements und nicht lediglich das Ergebnis einzelner Jagdgelegenheit.
Schleswig-Holstein – Trotz verstärkter Bejagung blieb der Bruterfolg unzureichend
Ein wesentlich weniger günstiges Bild zeigen die Zwischenergebnisse des Prädationsprojektes Tetenhusen in Schleswig-Holstein.
In dem fünfjährigen Projekt von 2021 bis 2025 untersuchten das Michael-Otto-Institut im NABU und weitere Beteiligte, ob eine verstärkte Bejagung von Bodenprädatoren den Fortpflanzungserfolg gefährdeter Wiesenvögel verbessert.
Zum Projekt gehörten Fotofallen zur Erfassung der vorkommenden Beutegreifer, eine verstärkte Jagd und zehn zusätzlich installierte Betonröhrenfallen. Untersucht wurde ein rund 430 Hektar großes Gebiet in der Eider-Treene-Sorge-Niederung, in dem zuvor bereits Maßnahmen zum Schutz der Wiesenvögel vor landwirtschaftlichen Verlusten durchgeführt worden waren.
Der im Januar 2025 veröffentlichte Zwischenbericht für das Untersuchungsjahr 2024 dokumentierte weiterhin erhebliche Probleme. Von acht kameraüberwachten Kiebitzgelegen wurden vier durch Kolkraben und zwei durch Füchse zerstört. Bei einem weiteren Gelege blieb der Verursacher unbekannt. Aus dem letzten Gelege schlüpften Küken, die jedoch nicht flügge wurden.
Keine der untersuchten Wiesenlimikolenarten erreichte 2024 einen bestandserhaltenden Bruterfolg. Die Autoren stellten fest, dass die bis dahin durchgeführten Abschüsse noch nicht zu der angestrebten Verbesserung des Fortpflanzungserfolges geführt hatten.
Die Wissenschaftler diskutierten deshalb weitere Maßnahmen, darunter eine intensivere Bejagung und die Einzäunung größerer Schutzflächen.
Bemerkenswert ist auch der Rückblick auf ein früheres Projekt im Meggerkoog und Börmer Koog. Bereits dort konnte für die Jahre 2009 bis 2013 keine eindeutige Verringerung des Prädationsrisikos durch eine verstärkte Bejagung mit Betonröhrenfallen festgestellt werden.
Diese Ergebnisse beziehen sich auf die dokumentierten Untersuchungszeiträume. Der inzwischen veröffentlichte Abschlussbericht des Tetenhusener Gesamtprojektes für 2025 ist davon zu unterscheiden.
Tetenhusen zeigt, dass selbst gezielte und längerfristig angelegte Maßnahmen nicht zwangsläufig den gewünschten Erfolg erzielen. Gleichzeitig belegen die Nestkameraaufnahmen, dass mehrere Prädatorenarten gleichzeitig eine Rolle spielen können. Eine ausschließliche Konzentration auf den Rotfuchs würde deshalb möglicherweise einen wesentlichen Teil der tatsächlichen Gefährdung übersehen.
Internationale Experimente bestätigen mögliche Erfolge, aber nicht unter allen Bedingungen
Ergänzend zu den deutschen Untersuchungen liefern experimentelle Studien aus Großbritannien besonders wichtige Ergebnisse, weil dort die Auswirkungen von Prädatorenkontrolle unmittelbar mit Gebieten ohne entsprechende Maßnahmen verglichen wurden.
In einem achtjährigen Freilandexperiment untersuchten Kathy Fletcher und Kollegen die Auswirkungen der Kontrolle von Füchsen, Rabenkrähen und kleineren Marderartigen auf verschiedene bodenbrütende Vogelarten in nordenglischen Moorlandschaften.
Durch die Maßnahmen verringerte sich die erfasste Häufigkeit von Füchsen um 43 Prozent und die von Rabenkrähen um 78 Prozent. Bei fünf untersuchten Vogelarten lag der Bruterfolg während der Prädatorenkontrolle durchschnittlich etwa dreimal so hoch wie ohne diese Maßnahmen.
Bei mehreren Arten, darunter Kiebitz, Goldregenpfeifer und Großer Brachvogel, verbesserten sich anschließend auch die Bestandsentwicklungen. Das Experiment liefert damit einen deutlichen wissenschaftlichen Beleg dafür, dass gezielte Prädatorenkontrolle unter bestimmten Bedingungen einen wirksamen Beitrag zum Schutz bodenbrütender Vogelarten leisten kann.
Die Ergebnisse dürfen allerdings nicht ausschließlich der Fuchsbejagung zugeschrieben werden, weil mehrere Beutegreiferarten gleichzeitig kontrolliert wurden.
Eine weitere britische Untersuchung von Mark Bolton und Kollegen, veröffentlicht 2007, ergab ein weniger eindeutiges Bild. In einem achtjährigen Experiment auf Feuchtgrünlandflächen wurden mehr als 3.100 Kiebitzgelege untersucht. Obwohl die Kontrolle von Füchsen und Rabenkrähen deren örtliche Häufigkeit reduzierte, zeigte sich über alle Gebiete hinweg kein allgemeiner Rückgang der Gelegeverluste.
In Gebieten mit einer ursprünglich hohen Dichte an Beutegreifern fiel die Wirkung jedoch günstiger aus. Die Autoren betonten deshalb, dass Prädatorenkontrolle vor allem dort erfolgversprechend sein kann, wo Prädation tatsächlich ein wesentlicher begrenzender Faktor des Bruterfolges ist.
Beide Experimente erklären, weshalb die Ergebnisse aus einzelnen Schutzgebieten so unterschiedlich ausfallen können. Die Wirksamkeit hängt nicht nur davon ab, ob Füchse bejagt werden, sondern auch von der Prädatorendichte, den weiteren vorhandenen Beutegreifern, der räumlichen Ausdehnung der Maßnahmen und den Bedingungen für die geschützten Vogelarten.
Gelegeschutzzäune – Deutsche Forschung belegt eine wirksame Alternative
Eine Verringerung der Fuchspopulation ist nicht die einzige Möglichkeit, bedrohte Bodenbrüter vor Prädation zu schützen.
Eine 2023 in der Fachzeitschrift Natur und Landschaft veröffentlichte Untersuchung von Volker Salewski und weiteren Forschenden untersuchte den Einsatz stromführender Gelegeschutzzäune in fünf Gebieten Schleswig-Holsteins.
Im Untersuchungsjahr 2021 wurden die Schlupfergebnisse von Kiebitz- und Uferschnepfengelegen innerhalb und außerhalb der eingezäunten Flächen miteinander verglichen.
Die Unterschiede waren deutlich. Bei Kiebitzen schlüpften innerhalb der Zäune 82,8 Prozent der gefundenen Gelege, außerhalb waren es 34,7 Prozent. Bei Uferschnepfen lagen die Werte bei 82,6 Prozent innerhalb und 12,5 Prozent außerhalb der geschützten Bereiche.
Die Forschenden überprüften zudem, ob die Unterschiede lediglich dadurch entstanden waren, dass Zäune bevorzugt an ohnehin günstigeren Standorten errichtet wurden. Eine längerfristige Vergleichsauswertung stützte die tatsächliche Wirksamkeit der Schutzmaßnahme.
Die Studie zeigt damit einen klaren Nutzen direkter Gelegeschutzmaßnahmen. Allerdings ist zwischen dem erfolgreichen Schlupf und dem späteren Überleben der Jungvögel zu unterscheiden. Auch außerhalb der Zäune oder nach dem Verlassen geschützter Bereiche können Gefahren bestehen.
Für den praktischen Naturschutz ergibt sich daraus eine wichtige Möglichkeit. An besonders sensiblen Brutplätzen können geeignete Schutzzäune eine wirksame Alternative oder Ergänzung zu jagdlichen Maßnahmen sein. Voraussetzung sind sachgerechter Aufbau, regelmäßige Kontrolle und eine Anpassung an die betroffenen Vogelarten.
Neue französische Studie – Hoher Aufwand, aber kein nachweisbarer wirtschaftlicher Nutzen
Im April 2026 erschien in der Fachzeitschrift Biological Conservation eine weitere Untersuchung, die international Aufmerksamkeit erregte. Ein Forschungsteam um Frédéric Jiguet analysierte über sieben Jahre den Zusammenhang zwischen der Tötung einheimischer Beutegreifer und Rabenvögel sowie offiziell gemeldeten wirtschaftlichen Schäden in Frankreich.
Die Wissenschaftler fanden keinen belastbaren Zusammenhang zwischen dem Umfang der Bekämpfungsmaßnahmen und einer Verringerung der gemeldeten Schadenskosten. Auch in Regionen, in denen entsprechende Maßnahmen reduziert oder eingestellt wurden, ließ sich kein allgemeiner Anstieg der Schäden nachweisen.
Die jährlich monetär bewerteten Aufwendungen für die Bekämpfung wurden auf 103 bis 123 Millionen Euro geschätzt. Dem standen offiziell gemeldete jährliche Schäden von acht bis 23 Millionen Euro gegenüber.
Bei dieser Gegenüberstellung ist zu berücksichtigen, dass die berechneten Kosten auch bewertete Arbeitszeit, Transport und weitere Ressourcen umfassen. Es handelt sich also nicht ausschließlich um tatsächlich ausgezahlte öffentliche Gelder. Die Angaben zu den Schäden beruhen wiederum auf den erfassten beziehungsweise gemeldeten wirtschaftlichen Verlusten und können nicht sämtliche denkbaren indirekten Auswirkungen abbilden.
Der Deutsche Tierschutzbund griff die Studie im April 2026 auf und wertete sie als starkes Argument gegen die verbreitete Bejagung von Füchsen und anderen Wildtieren. Die Organisation fordert, beim Wildtiermanagement stärker auf wissenschaftliche Erfolgskontrollen sowie vorbeugende und nicht tödliche Maßnahmen zu setzen. Auch PETA lehnt die reguläre Fuchsjagd aus tierethischen und tierschutzbezogenen Gründen ab.
Die französische Untersuchung stellt die wirtschaftliche Rechtfertigung breit angelegter Bekämpfungsmaßnahmen deutlich infrage. Ihre Ergebnisse lassen sich jedoch nicht unmittelbar mit deutschen Schutzprojekten für einzelne gefährdete Vogelarten gleichsetzen.
In Frankreich wurden vor allem wirtschaftliche Schadensmeldungen und der Bekämpfungsaufwand verschiedener Tierarten ausgewertet. In den deutschen und britischen Artenschutzprojekten geht es dagegen häufig um den Fortpflanzungserfolg konkreter Vogelpopulationen.
Ein ausbleibender wirtschaftlicher Nutzen flächendeckender Bekämpfung schließt nicht aus, dass gezielte örtliche Maßnahmen den Bruterfolg gefährdeter Arten verbessern können. Umgekehrt rechtfertigt ein erfolgreiches Artenschutzprojekt nicht automatisch eine allgemeine, großflächige Bejagung des Fuchses.
Welche Rolle spielt der Fuchs selbst im Ökosystem?
Der Rotfuchs ist nicht ausschließlich als Beutegreifer gefährdeter Wildtiere zu betrachten. Er erfüllt selbst unterschiedliche ökologische Funktionen.
Zu seiner Nahrung gehören häufig Mäuse und andere Kleinsäuger, die auch auf landwirtschaftlichen Flächen vorkommen. Darüber hinaus nutzt er Insekten, Regenwürmer, Früchte und Aas. Damit ist er Teil unterschiedlicher Nahrungsketten und trägt unter anderem zur Verwertung verendeter Tiere bei.
Seine Bedeutung kann je nach Lebensraum erheblich variieren. In einer Agrarlandschaft mit großer Mäusepopulation kann die Erbeutung von Kleinsäugern einen wesentlichen Teil seiner Ernährung ausmachen. In einem Wiesenvogelgebiet während der Brutzeit können dagegen Eier und Jungvögel eine besonders empfindliche Ressource darstellen.
Die Wirkung des Fuchses lässt sich deshalb weder ausschließlich als ökologischer Nutzen noch ausschließlich als Schaden beschreiben. Auch seine natürlichen Funktionen gehören in die Bewertung möglicher Managementmaßnahmen.
Hinzu kommt, dass viele gefährdete Arten heute in stark veränderten Kulturlandschaften leben. Entwässerte Feuchtgebiete, intensive landwirtschaftliche Bewirtschaftung, fehlende Rückzugsflächen und zerschnittene Lebensräume können die Möglichkeiten zur erfolgreichen Fortpflanzung erheblich beeinträchtigen.
Prädation wirkt dann möglicherweise zusätzlich auf bereits geschwächte Populationen. Eine Verringerung der Fuchsdichte kann diesen Einfluss unter bestimmten Voraussetzungen vermindern. Sie kann aber keine fehlenden Brutlebensräume ersetzen.
Artenschutz und Jagdrecht – Nicht jede mögliche Maßnahme ist auch zulässig
In Deutschland unterliegt der Rotfuchs dem Jagdrecht. Nach § 1 Bundesjagdgesetz ist mit dem Jagdrecht die Pflicht zur Hege verbunden. Deren Ziele umfassen unter anderem die Erhaltung eines artenreichen, gesunden und den landschaftlichen Verhältnissen angepassten Wildbestandes sowie die Pflege seiner Lebensgrundlagen.
Daraus ergibt sich keine allgemeine Pflicht, Füchse unabhängig von den örtlichen Gegebenheiten intensiv zu bejagen. Ebenso wenig ist eine gezielte jagdliche Unterstützung des Artenschutzes grundsätzlich ausgeschlossen.
Für die praktische Jagdausübung gelten zudem bundes- und landesrechtliche Einschränkungen. Besonders relevant ist der Elterntierschutz nach § 22 Absatz 4 Bundesjagdgesetz. Während der Setz- und Brutzeiten dürfen die für die Aufzucht notwendigen Elterntiere bis zum Selbständigwerden der Jungtiere grundsätzlich nicht bejagt werden, auch wenn die betreffende Wildart keine allgemeine Schonzeit besitzt.
Das Bundesjagdgesetz eröffnet den Ländern unter bestimmten Voraussetzungen die Möglichkeit, für Füchse Ausnahmen festzulegen. Die konkrete Zulässigkeit einer Bejagung richtet sich deshalb nach der jeweils geltenden landesrechtlichen Regelung und gegebenenfalls weiteren behördlichen Vorgaben.
Gerade bei Artenschutzprojekten müssen fachliche Zielsetzung, Jagdzeiten, Tierschutz und gesetzlicher Elterntierschutz miteinander vereinbar sein. Eine aus biologischer Sicht möglicherweise günstige Zeitspanne für eine Bestandsverringerung ist nicht automatisch eine rechtlich zulässige Jagdzeit.
Woran sich der Erfolg einer Fuchsbejagung tatsächlich messen lässt
Die wissenschaftlichen Untersuchungen verdeutlichen, warum ein erfolgreicher Jagdtag und ein erfolgreicher Artenschutz nicht dasselbe sind.
Eine hohe Jagdstrecke belegt zunächst nur, dass viele Tiere erlegt wurden. Sie sagt ohne zusätzliche Bestandsdaten wenig darüber aus, wie viele Füchse im Gebiet verbleiben, ob Tiere aus benachbarten Revieren zuwandern oder ob sich die Fortpflanzungsleistung verändert.
Ebenso wenig reicht die Beobachtung einzelner zerstörter Gelege aus, um eine umfangreiche Bejagung wissenschaftlich zu begründen. Zunächst muss geklärt werden, welche Arten die Verluste verursachen und ob diese Verluste die Bestandsentwicklung der zu schützenden Art tatsächlich begrenzen.
Für ein nachvollziehbares Prädatorenmanagement sind deshalb mehrere aufeinander abgestimmte Informationen erforderlich. Die Entwicklung der örtlichen Fuchshäufigkeit, die Ursachen der Gelege- und Jungtierverluste, die Fortpflanzungsergebnisse der geschützten Arten und die Veränderungen während sowie nach den durchgeführten Maßnahmen.
Besonders aussagekräftig sind Untersuchungen mit geeigneten Vergleichsflächen und mehrjähriger Beobachtung. Sie können helfen, jagdliche Effekte von Wettereinflüssen, landwirtschaftlicher Nutzung, Lebensraumveränderungen und natürlichen Bestandsschwankungen zu unterscheiden.
Wichtig ist auch, den Erfolg nicht ausschließlich am Schlupf von Jungvögeln zu messen. Entscheidend für die langfristige Erhaltung einer Vogelpopulation ist, wie viele Jungtiere überleben, flügge werden und später selbst zur Fortpflanzung beitragen.
In der Praxis spricht daher vieles für eine abgestufte Vorgehensweise. Zunächst müssen geeignete Lebensräume erhalten oder wiederhergestellt werden. Wo nachweislich erhebliche Prädationsverluste bestehen, können direkte Schutzmaßnahmen wie Gelegeschutzzäune und gegebenenfalls ein gezieltes jagdliches Prädatorenmanagement hinzukommen.
Ob die Jagd in einem solchen Konzept notwendig und erfolgreich ist, muss anhand der örtlichen Ergebnisse beurteilt werden. Gerade darin liegt der Unterschied zwischen fachlich begründetem Wildtiermanagement und einer Bejagung, deren Artenschutznutzen lediglich angenommen wird.
Was die Forschung zur Fuchsjagd tatsächlich aussagt
Die verfügbaren Untersuchungen zeichnen ein differenziertes Bild, das sich nicht auf einfache Aussagen für oder gegen die Fuchsjagd reduzieren lässt.
Die dänische Studie zeigt, dass Füchse nach einem erheblichen Bestandsrückgang ihre Fortpflanzungsleistung steigern können. Die Untersuchungen der Universität Freiburg belegen, dass örtlich begrenzte Bejagung zwar eine vorübergehende Verringerung der Fuchshäufigkeit erreichen kann, daraus aber nicht automatisch ein anhaltend geringeres Prädationsrisiko entsteht.
Die deutschen Untersuchungen zum Kiebitz zeigen zugleich unmissverständlich, dass Füchse in bestimmten Lebensräumen bedeutende Nesträuber sind. Auch internationale Jagdexperimente belegen, dass eine wirksame Reduktion des Prädationsdrucks unter geeigneten Bedingungen den Fortpflanzungserfolg gefährdeter Arten erheblich verbessern kann.
Dem stehen Projekte gegenüber, in denen verstärkte Bejagung nicht den gewünschten Erfolg brachte. Zusätzlich belegen Studien zu Gelegeschutzzäunen, dass nicht tödliche Schutzmaßnahmen den Fortpflanzungserfolg deutlich verbessern können, ohne dass dafür der gesamte örtliche Fuchsbestand reduziert werden muss.
Damit wird eine Unterscheidung besonders wichtig. Die dauerhafte Verringerung einer Fuchspopulation, der zeitweilige Schutz gefährdeter Beutetiere und die Verbesserung ganzer Lebensräume sind unterschiedliche Aufgaben. Sie erfordern jeweils eigene Maßnahmen und geeignete Nachweise ihres Erfolges.
Die jagdliche Begründung des Artenschutzes ist dort überzeugend, wo konkrete Gefährdungen bekannt sind und die durchgeführten Maßnahmen einen messbaren Nutzen für die betroffenen Arten erzielen. Kritisch zu bewerten ist sie dort, wo Abschüsse unabhängig von tatsächlichen Populationsentwicklungen oder ohne überprüfbare Schutzwirkung als notwendig dargestellt werden.
Umgekehrt greift auch die pauschale Behauptung zu kurz, jede Fuchsbejagung sei wegen kompensatorischer Fortpflanzung grundsätzlich wirkungslos. Sie übersieht die experimentell belegten Möglichkeiten, durch zeitlich und räumlich abgestimmtes Prädatorenmanagement den Fortpflanzungserfolg gefährdeter Arten zu verbessern.
Für Jagd und Naturschutz ergibt sich daraus kein grundsätzlicher Gegensatz. Beide können ein gemeinsames Interesse daran haben, gefährdete Wildtierbestände zu erhalten, geeignete Lebensräume zu verbessern und Maßnahmen anhand wissenschaftlicher Erkenntnisse zu bewerten.
Quellen und wissenschaftliche Untersuchungen
1. Pagh, S. et al. (2018): Increased reproductive output of Danish red fox females following an outbreak of canine distemper. Canid Biology & Conservation, 21(3), 12–20. Originaluntersuchung zur Fortpflanzungsleistung dänischer Rotfüchse nach dem Staupe-Ausbruch.
2. Kämmerle, J.-L., Ritchie, E. G. und Storch, I. (2019): Restricted-area culls and red fox abundance: Are effects a matter of time and place? Conservation Science and Practice, 1, e115. Untersuchung zur zeitlichen und räumlichen Wirksamkeit der Fuchsbejagung im Südwesten Deutschlands.
3. Kämmerle, J.-L., Niekrenz, S. und Storch, I. (2019): No evidence for spatial variation in predation risk following restricted-area fox culling. BMC Ecology, 19, Artikel 17. Experimentelle Untersuchung des Prädationsrisikos an 273 kameraüberwachten künstlichen Nestern.
4. Cimiotti, D. V. et al. (2021): Der Sympathieträger Kiebitz als Botschafter der Agrarlandschaft – Abschlussbericht. Michael-Otto-Institut im NABU und Projektpartner, Bundesprogramm Biologische Vielfalt. Insbesondere Abschnitt 2.1.6.5 zur Prädation von Kiebitzgelegen und den Ergebnissen der Wildkamerauntersuchungen. Der PDF-Link war bei der letzten technischen Prüfung vorübergehend nicht erreichbar.
5. Knauer, F., Küchenhoff, H. und Pilz, S. (2010): A statistical analysis of the relationship between red fox Vulpes vulpes and its prey species (grey partridge Perdix perdix, brown hare Lepus europaeus and rabbit Oryctolagus cuniculus) in Western Germany from 1958 to 1998. Wildlife Biology, 16(1), 56–65. Statistische Untersuchung zu langfristigen Zusammenhängen zwischen Fuchs- und Niederwildbeständen.
6. Lemke, H. und Jeromin, H. (2025): Prädationsprojekt Tetenhusen – Jahresbericht 2024. Michael-Otto-Institut im NABU, Projektbericht für KUNO e.V., Januar 2025. Primärbericht zum Wiesenvogelschutz und zur verstärkten Prädatorenbejagung. Die Projektseite bietet inzwischen auch den Abschlussbericht für 2025 an; dessen Ergebnisse wurden für diesen Artikel nicht eigenständig ausgewertet.
7. Landesjägerschaft Bremen: Auszug Bericht: Aufbau und Anwendung verschiedener moderner Fangjagdsysteme zur Durchführung eines effektiven Prädatorenmanagements auf den Schutzgebietsflächen des Bremer Blocklandes. Projektbericht 2016/17 mit Vergleichsdaten aus dem Wiesenvogelschutzprogramm des BUND Bremen. Ergänzend: Projektdokumentation Prädatorenmanagement im Wiesenvogelschutz 2014–2022.
8. Fletcher, K. L. et al. (2010): Changes in breeding success and abundance of ground-nesting moorland birds in relation to the experimental deployment of legal predator control. Journal of Applied Ecology, 47, 263–272. Achtjähriges Freilandexperiment zum Einfluss von Prädatorenkontrolle auf bodenbrütende Vogelarten in Großbritannien.
9. Bolton, M. et al. (2007): The impact of predator control on lapwing Vanellus vanellus breeding success on wet grassland nature reserves. Journal of Applied Ecology, 44, 534–544. Experimentelle Untersuchung zur unterschiedlichen Wirksamkeit von Prädatorenkontrolle auf Kiebitzgelege.
10. Salewski, V. et al. (2023): Gelegeschutzzäune erhöhen den Schlupferfolg gefährdeter Wiesenvögel. Natur und Landschaft, 98(12), 553–561. Wissenschaftliche Untersuchung zur Wirkung stromführender Schutzzäune bei Kiebitz und Uferschnepfe.
11. Jiguet, F. et al. (2026): Ecological and economic assessments of native vertebrate pest control in France. Biological Conservation, 316, Artikel 111719. Wissenschaftliche Auswertung von Bekämpfungsmaßnahmen und wirtschaftlichen Schäden über sieben Jahre in Frankreich.
12. Deutscher Jagdverband (21. Juli 2022): Frage-und-Antwort-Papier zur Jagd auf den Fuchs. Darstellung der jagdverbandlichen Position zur Fuchsbejagung, zum Schutz gefährdeter Arten und zum Prädatorenmanagement.
13. Deutscher Tierschutzbund (10. April 2026): Neue Studie: Jagd auf Fuchs und Co. teuer und wirkungslos. Verbandliche Bewertung der französischen Untersuchung von Jiguet und Kollegen.
14. PETA Deutschland: Füchse: Alle Infos zu Arten, Verhalten, Fortpflanzung und Jagd. Darstellung der tierschutz- und tierrechtlich begründeten Position der Organisation zur Fuchsjagd.
15. Oberösterreichischer Landesjagdverband: Bleiben oder gehen? Warum, wohin und wie weit Rotfüchse abwandern. Fachbeitrag zum Wanderverhalten, zur sozialen Organisation und zur Wiederbesiedlung freigewordener Fuchsreviere.
16. Bundesministerium der Justiz und Bundesamt für Justiz: § 1 Bundesjagdgesetz – Inhalt des Jagdrechts und Hegepflicht sowie § 22 Bundesjagdgesetz – Jagd- und Schonzeiten einschließlich Elterntierschutz. Maßgebliche bundesgesetzliche Grundlagen; ergänzende landesrechtliche Vorschriften sind gesondert zu beachten.
